Der erste Stein - Carsten Jensen [Rezension]

Dienstag, August 01, 2017

Krieg Terror Soldaten Afghanistan Taliban Fanatsimus Buchtipp Bestseller BuchblogKurzmeinung:

Ein gewaltiges Buch über Krieg, Tod, Verrat und Fanatismus, aber auch über Menschlichkeit, Familie und Freundschaft. Carsten Jensen schafft es, die Komplexität des Krieges darzustellen – und das auch noch unglaublich spannend.
 
Bewertung: 5 Sterne 

Klappentext:

Im Herz der Finsternis – Der große Antikriegsroman von einem der schärfsten Gegner des militärischen Engagements des Westens in Afghanistan

In einem Militärcamp in Afghanistan trifft ein Zug dänischer Soldaten ein, 24 Männer und die Soldatin Hannah unter Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Alle sind hochmotiviert, hervorragend ausgebildet und abenteuerhungrig. Doch die Tage fließen monoton dahin, bis durch eine Landmine zwei Männer sterben und eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt in Gang setzt. Als schließlich Schrøder die Truppe verrät, gerät alles außer Kontrolle.

Meine Meinung: 

Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Ich habe so einiges über den Afghanistan- Krieg, stellvertretend für viele Kriege, lernen können. Über die Schwierigkeiten eines Einsatzes und die Gefahren für die Soldaten. Aber auch über die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man in eine vollkommen fremde Kultur eindringt und versucht, westliche Maßstäbe anzusetzen. 

Am Anfang der Geschichte lernen wir die Soldaten und Soldatinnen des 3. Zuges der dänischen Einheit in Afghanistan kenne. Die Vorstellung der einzelnen Charaktere hat sich am Anfang etwas gezogen, aber Durchhalten lohnt sich, denn was sich daran anschließt ist zunächst eine beeindruckende und bewegende Schilderung des Krieges und des Vorgehens beim Einsatz. Nach und nach entwickelt sich die anfangs recht sachliche Beschreibung dann immer mehr zu einem spannungsgeladenen Abenteuer, das in seiner Sogkraft mit jedem guten Thriller mithalten kann. 
Darunter mischen sich auch immer wieder tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Was geschieht mit einem Menschen, wenn er solchen extremen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Was passiert mit einem, wenn man tatsächlich einen anderen Menschen töten. 


"Zum Dank vergewaltigte er ihr Herz und ihr Vertrauen in die Welt, dieses Vertrauen, das aufzubauen sie so viel gekostet hat." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 324)

Warnen sollte man wahrscheinlich vor der wirklich plastischen Sprache des Autors, der auch die Verletzungen und Verstümmelungen der Soldaten sehr detailliert beschreibt. Das war wirklich nicht einfach zu lesen und ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Allerdings ist es eben auch authentisch, da ich mir vorstellen kann, das es eben tatsächlich genau so abläuft. Die Bombeneinschläge und Minenexplosionen sind so anschaulich beschrieben, dass ich zusammengezuckt bin und einfach mitleiden musste. Ich muss aber zugeben, dass ich einige der wirklich zahlreichen blutigen Szenen irgendwann nur noch überflogen habe, wenn es mir zu viel wurde. 

Der Roman ist sehr gut recherchiert. Durch den flüssigen und oft eher nüchternen Schreibstil lässt sich die Geschichte gut lesen. Dennoch habe ich recht lange für das Buch gebrauchte, da ich immer wieder Pausen einlegen musste, um über das Gelesene nachzudenken. 


"Das Mahnmal ehrt die Toten, nicht den Krieg." "Ja schon, aber es erzählt nichts über die Gefallen. Nur, dass sie tot sind." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 68)

Anti Kriegsroman, Afghanistan, Taliban, Soldaten, Krieg, Terror, Fanatsimus

Fazit: 

Carsten Jensen schafft es in diesem Epos, die Komplexität des Krieges darzustellen. Er macht es dem Leser dabei nicht leicht, ein Urteil zu fällen, da die Geschehnisse immer aus verschiedenen Perspektiven und von allen Seiten betrachtet werden. 

Mein herzlicher Dank gilt dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

Biblio: 
Verlag: Knaus
Übersetzer: Ulrich Sonnenberg 
Seiten: 640 
Preis: 26,00€


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Plauderecke: 

Wie geht ihr mit sehr blutigen Szenen in Büchern um? Macht euch das gar nichts aus? Oder verfliegt ihr die Szenen eher? 


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4 Kommentare

  1. Och menno, ich habe es schon geahnt. Wieder eine so ansprechende Rezension und wieder ein Buch das ich wegen Dir lesen möchte.
    Die Thematik um Krieg lese ich ja gerne, auch wenn es harter Tobak ist.
    In Sachen Brutalität kann ich es schon vertragen auch wenn es mich immer wieder erschüttert. Seltsamerweise bei Büchern dieser Art mehr als bei Splatter und Co. Wahrscheinlich weil es eben genauso ist.
    Dabei für die tolle Buchvorstellung.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,
      Tut mir ja leid (nicht!). Daran bin ich sehr gerne Schuld.
      Oh Gott Kerstin, lies dieses Buch. Ganz ehrlich, ich hab beim Lesen schon an dich gedacht. Das wird dir bestimmt gefallen. Es ist ein sehr eindrücklicher Anti-Kiregsroman und ich weiß ja, dass du aus der Thematik gern mal was liest. Aber zum Ende ist es so richtig spannend wie ein Thriller. Und das liest du auch gern. Also das perfekte Buch für dich!
      Und ich hab da echt auch schon drüber nachgedacht. Bei Thrillern lese ich so sehr blutige Szenen auch nicht sooo gerne, aber es geht mir nicht so nah, wie bei diesem Buch. Wahrscheinlich, weil ich eben immer im Hinterkopf hatte, dass es in Kriegsgebieten eben wirklich so abläuft. Wirklich erschütternd, wenn man drüber nachdenkt.
      Vielen Dank für deine lieben Worte. Und lies das Buch. ;)
      Liebst, Julia

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  2. Liebe Julia,

    eine super super Rezension! Und vielen Dank dafür, denn das Buch kommt definitiv auf meine Wunschliste (vom Knaus Verlag muss ich mich jetzt auch nicht wundern). Ich lese gerne mal Romane, die auf realen Ereignissen beruhen und ja vor den plastischen Beschreibungen des Krieges schrecke ich schon etwas zurück, aber manche Thematiken erfordern das eben. Und ich glaube selbst mit dem Bild vor Augen sind wir immer noch weit von der tatsächlichen Realität entfernt. Ich packe es gleich auf meine Wunschliste und in einem starken Moment kaufe & lese ich es dann!

    Viele Grüße, Ramona

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    1. Liebe Ramona,
      Vielen Dank für deine lieben Worte. Das freut mich wirklich sehr. Ich war mir nicht sicher, ob ich in Worte fassen kann, wie sehr mich dieses Buch beeindruckt hat. Ich kann dir die Lektüre wirklich nur empfehlen. Ich freue mich, dass meine Rezension den Ausschlag gegeben hat und du es lesen willst. Ich bin sehr gespannt darauf, wie du es finden wirst. Und du hast recht: auch, wenn es teilweise schwer zu lesen ist, erfordert es die Thematik eben und man sollte nicht die Augen davor verschließen.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
      Liebe Grüße, Julia

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Hallöchen, ich bin Julia, 24, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
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