Familie

Mama & Sam – Sarah Kuttner [Rezension]

Dienstag, Oktober 21, 2025


Verführt vom Versprechen der Liebe – Mama & Sam von Sarah Kuttner trifft mitten ins Herz

In Mama & Sam gibt Sarah Kuttner einem wichtigen Thema Raum, das ich bisher so kaum in der Literatur behandelt gesehen habe: Love Scamming. Einfühlsam nähren wir uns zusammen mit der Protagonistin langsam an das Thema an und ergründen Stück für Stück die psychologischen Hintergründe und Mechanismen. Berührend, authentisch, interessant und trotz des schweren Themas leicht zu lesen. Absolute Leseempfehlung!


Love Scamming Manipulation Tod Nachlass Buchkritik


Klappentext:

Sarah Kuttner schildert in ihrem neuen Roman »Mama & Sam« eine Ausnahmesituation, wie es sie gar nicht selten gibt.

Eine Tochter steht in der Wohnung ihrer plötzlich verstorbenen Mutter. Die Mutter ist fort, ihre gesamten Ersparnisse auch. Was bleibt, sind Fragen: Warum ist die Wohnung so chaotisch, der Briefkasten so voll? Und wie ist es überhaupt möglich, seine eigene Mutter an einen Heiratsschwindler zu verlieren? 
Sarah Kuttner erzählt die Geschichte einer Frau, die Liebe suchte und auf einen Love Scammer traf. Die sich verliebte und die Augen verschloss. Die nichts zurückließ, außer einem schier endlosen Chat mit dem Betrüger. Vor allem aber ist es die Geschichte einer Tochter, die zurückbleibt, mit einer Leerstelle, wo einmal die Mutter war. 
Also liest die Tochter die Nachrichten, die nicht für sie bestimmt waren, liest Dinge über sich selbst, die sie nie wissen wollte. Und doch, ganz langsam, füllt sich die Leerstelle mit einer Nähe, wie sie beiden zu Lebzeiten nicht möglich war. 
Ein Roman über das Gefühl der Schuld, den Schmerz des Zurückbleibens, und die ungewollte Intimität eines Nachlasses.

 
 

Meine Meinung: 

Sarah Kuttner beweist mit "Mama & Sam" erneut ihr außergewöhnliches Gespür für gesellschaftlich relevante, aber oftmals tabuisierte Themen. Kuttner schildert einfühlsam und ohne zu werten, wie subtil und gleichzeitig zerstörerisch diese Form des emotionalen Betrugs wirken kann.

Die Protagonistin begleitet uns als Leser*innen auf einem behutsamen, manchmal verstörenden Erkenntnisweg. Schritt für Schritt entfaltet Kuttner die psychologischen Mechanismen und Unsicherheiten, die Menschen für Love Scamming anfällig machen, und zeigt eindrücklich die Macht von Sehnsucht, unerfüllten Bedürfnissen und Manipulation. Besonders bewegend sind die Passagen, in denen der innere Zwiespalt und das Ringen um Selbstachtung spürbar werden. Außerdem werden weitere Themen, wie die komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung und der Umgang mit Verlust, Trauer und der Nachlassverwaltung einer entfremdeten Angehörigen einfühlsam und authentisch behandelt. 

Trotz der ernsten und schmerzlichen Themen bleibt "Mama & Sam" erstaunlich leicht zugänglich – Kuttner trifft immer wieder einen Ton, der ernsthaft, aber nie belehrend ist. Ihr distanzierter und dennoch liebevoller Blick auf die Figuren vermittelt Authentizität und Nähe, sodass man mitfühlt, zweifelt, hofft und bangt. Sprachlich pointiert, manchmal mit leiser Ironie, schafft sie es, den Lesefluss aufrechtzuerhalten, selbst wenn es emotional herausfordernd wird.

Wer sich auf diese feinfühlige Spurensuche einlässt, erhält nicht nur Einblick in die Psyche einer Betroffenen, sondern auch eine Reflexion darüber, wie wir alle den Wunsch nach Nähe und Bestätigung in einer digitalen, manchmal gnadenlosen Welt immer wieder neu austarieren müssen.

Eine rundum berührende und bereichernde Lektüre und für mich ein absolutes Highlight.
 
 
 
 
Biblio
Verlag: S. Fischer
Autorin: Sarah Kuttner 
Seiten: 288
Erscheinugstermin: 8.10.25 
 
 

Plauderecke: 

Habt ihr schon einen Roman zum Thema Love Scamming gelesen, oder sonst Kontakt mit dem Thema gehabt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.  

Krimi

Wenn Worte töten – Anthony Horowitz [Rezension]

Montag, August 25, 2025


"Wenn Worte töten" von Anthony Horowitz: Ein cleverer Krimi mit Meta-Twist

Hey Buchfreunde! Heute nehme ich euch mit auf eine spannende Reise zur Kanalinsel Alderney, wo Anthony Horowitz in seinem Krimi "Wenn Worte töten" Mord und Literatur auf geniale Weise verbindet.

 

Wenn Worte töten Anthony Horowitz Rezension


Klappentext:

Als Daniel Hawthorne, Ex-Polizist und Privatdetektiv, und sein »Assistent« Anthony Horowitz zu einem Literaturfestival auf die beschauliche Kanalinsel Alderney eingeladen werden, rechnen die beiden im Traum nicht damit, Hals über Kopf in eine Mordermittlung verwickelt zu werden. Aber die exklusive Runde, die sich hier versammelt hat – ein Kinderbuchautor, eine französische Lyrikerin, ein Fernsehkoch, eine blinde Wahrsagerin und ein Historiker –, macht den beiden einen Strich durch die Rechnung, und darum herum tummeln sich zudem die Bewohner der Insel, die wegen einer geplanten Stromtrasse heillos zerstritten sind.

Und prompt wird der Mäzen des Festivals brutal ermordet, und Hawthorne und Horowitz müssen den örtlichen Polizeikräften zu Hilfe eilen. Aber erst als ein weiterer Mord geschieht, gelingt es den beiden, dem Täter auf die Spur zu kommen und nebenbei noch einige andere Geheimnisse ans Tageslicht zu holen.

Familie

Dschinns – Fatma Aydemir [Rezension]

Donnerstag, Juli 28, 2022

Kurzmeinung:

Fatma Aydemir hat es mit ihrem zweiten Roman "Dschinns" wieder geschafft, mich zu begeistern. Ein Familienroman, der uns die Geschichte der türkischen Migrantenfamilie Yilmaz aus verschiedenen Perspektiven mitverfolgen lässt. Das Buch hat mich bewegt und es ist lange her, dass ich ein Buch gelesen habe, was mich so sehr hat mit den einzelnen Personen mitleben und mitleiden lassen. Eine große Leseempfehlung.

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Klappentext:

Fatma Aydemirs großer Familienroman – „Ihr Sound hat eine Wucht, die abwechselnd ins Herz und in die Magengrube geht.“ Alena Schröder

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus. 
 

Familie

Wir sind das Licht – Gerda Blees [Rezension]

Montag, Juni 06, 2022

Kurzmeinung:

Es fällt mir wirklich schwer, meine Begeisterung für "Wir sind das Licht" von Gerda Blees in Worte zu fassen, deswegen vorweg vielleicht nur so viel: lest alle dieses einzigartige Meisterwerk, wenn ihr Lust auf eine berührende Geschichte mit einem wirklich außergewöhnlichen Erzählstil habt.

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Klappentext:

Ein unkonventioneller, einzigartiger Roman – und die Geschichte einer stillen Radikalisierung

Eine Wohnung, drei Frauen, ein Mann. Eine der Frauen ist tot. Als der Notarzt eintrifft, herrscht eine ruhige, ja unheimliche Atmosphäre, und er stellt fest: Elisabeth ist – vor den Augen ihrer Mitbewohner – verhungert. Muriel, Petrus und Elisabeth haben, jeder auf eigene Art, den Halt im Leben verloren. Elisabeths Schwester Melodie und der Verzicht auf Nahrung scheinen diese Lücke zu füllen. Was sich von innen – bis in den Tod – richtig anfühlt, ist von außen nur sehr schwer zu fassen. Gerda Blees erzählt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, auch die Eltern, die Polizei oder der Tatort selbst kommen zu Wort. Für ihren herausragend modernen Debütroman erhielt sie zahlreiche Preise. 

Literatur

In diesem Buch stirbt jeder – Beka Adamaschwili [Rezension]

Donnerstag, September 03, 2020


Roman Bestseller Literatur Mord Humor Buchbesprechung Buchempfehlung Buchkritik Kurzmeinung:

"In diesem Buch stirbt jeder" von Beka Adamaschwili ist ein außergewöhnlicher Roman, der wegen des Humors, der vielen interessanten Anspielungen und des außergewöhnlichen Stils sehr lesenswert ist. Mit seinem Vorgänger "Bestseller" kann er jedoch nicht ganz mithalten.


Klappentext:

Als Memento Mori eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht, findet er heraus, dass er eine Romanfigur ist und die Superkraft hat, durch Bücher zu reisen. Er setzt sie gegen die gnadenlosen Autorinnen und Autoren der Weltliteratur ein, indem er versucht, ihre Figuren vor dem sicheren Tod zu bewahren: Romeo und Julia etwa will er vom Selbstmord abhalten, und Professor Moriarty stößt er selbst den Reichenbachfall hinunter, um Sherlock Holmes zu helfen. Doch dann erfährt Memento Mori, dass in seinem eigenen Roman jemand sterben soll, und er beschließt, alle Figuren zu retten. Aber sein Gegner ist der allmächtigste Antagonist aller Zeiten — der Autor selbst ...


Familie

Altes Land – Dörte Hansen [Rezension]

Mittwoch, Oktober 03, 2018

Landleben Dorf Krieg Flucht Buchtipp Kurzmeinung: 

Ein großartiges Buch. In wunderschöner Sprache erzählt die Autorin manchmal mit ironischem aber stets liebevollem Blick von Figuren mit Ecken und Kanten. Vom Leben im Alten Land, von Bioäpfeln, Marmeladekochen, aber auch von Krieg und Flucht. Und von Müttern und Töchtern.
Absolute Leseempfehlung!

Klappentext: 

Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie
Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.
Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Literatur

Mit der Faust in die Welt schlagen – Lukas Rietzschel [Rezension]

Freitag, September 07, 2018

Bücherblog Rezension Ullstein Sachsen Osten Wende Rechte Kurzmeinung: 

Gut geschrieben liefert Lukas Rietzschel eine interessante Beschreibung des Lebens in einem sächsischen Dorf. Über das Beschreibende kommt dieser Roman aber leider nicht hinaus und so kann er für mich nicht halten, was der Klappentext verspricht. 

Klappentext:

Zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird
Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.
Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs. Eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.

Humor

Bestseller – Beka Adamaschwili [Rezension]

Freitag, März 09, 2018

Roman Buchtipp Literatur Rätsel Krimi berühmte Autoren Kurzmeinung:

Ein großartiges Buch. Es vereint intelligenten Witz, Rätselspaß und Literaturliebe. Definitiv eine absolute Empfehlung für alle Literaturbegeisterten. Da verzeiht man auch die kleinen Längen im Mittelteil sehr gern. 

Bewertung: 4 Sterne

Klappentext:

Pierre Sonnage, ein erfolgloser Schriftsteller, sieht seine einzige Chance auf Ruhm im Selbstmord und springt kurzerhand von einem Wolkenkratzer. Doch statt im Bestsellerhimmel landet er in der Literatenhölle. Hier trifft er nicht nur auf Dante, Kafka, Hemingway und all die anderen VIPs, sondern muss sich Rätseln stellen, so überfrachtet und verschlüsselt, wie er sie nur aus seinen eigenen Romanen kennt. Eine irrwitzige Reise beginnt.

Über mich


Hallo, ich bin Julia, 28, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
Seit 2016 blogge ich hier über Bücher, Literaturevents und was mich sonst so beschäftigt.
Ich liebe Bücher, Kaffee, das Meer und Musik.
Wenn ihr mehr über mich wissen wollt, dann schaut bei "Über mich" vorbei oder schreibt mir auch gern. Ich habe immer ein offenes Ohr für euch.