Lesemonat || Juli

Samstag, Juli 30, 2016

Diesen Monat bin ich leider nicht viel zum Lesen gekommen, da ich mitten in den Prüfungen stecke. 
Aber hier trotzdem meine Lese- Ausbeute für diesen Monat. Vier Bücher sind es geworden und 1761 Seiten. Also ca 58 Seiten pro Tag. 
Ich freue mich schon so auf den August, wenn ich wieder mehr Zeit zum Lesen haben werden. Es haben sich auch schon einige Bücher angestaut, die unbedingt bald gelesen werden wollen :) 
Aber hier erstmal die Bücher von diesem Monat: 




1. You against me -- Jenny Downham (3,5 Sterne) 

--> eine verzwickte Liebesgeschichte, die viele moralische Fragen aufwirft. Lässt sich sehr leicht und flüssig lesen und ist auch richtig spannend. Das Ende hat mich allerdings ziemlich enttäuscht und manchmal hätten die Charaktere etwas mehr Tiefe gebraucht. 

Klappentext:
Seit Mikeys fünfzehnjährige Schwester Karyn von Tom, Sohn reicher Eltern, vergewaltigt worden ist, verlässt sie ihr Zimmer nicht mehr. Mit der Mutter, die trinkt, ist nicht zu rechnen. Alles bleibt nun an Mikey hängen, auch um die kleine Schwester Holly kümmert er sich. Und diesem Tom würde er es am liebsten heimzahlen. Ein Flirt mit Toms Schwester Ellie scheint das einfachste Mittel, um näher an ihn ranzukommen. Doch als Liebe daraus wird, wird die Sache kompliziert: Hält Mikey zu seiner Schwester oder steht er zu Ellie? Und für welche Seite entscheidet sich Ellie? Für ihren Bruder und ihre Familie – oder für den Jungen, den sie liebt?



2. Ein letzter Tanz -- Judith Lennox (2 Sterne) 

--> Ein Familiendrama über mehrere Generationen. Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen. Danach plätschert die Geschichte leider nur noch so vor sich hin. Der Schluss ist wieder ganz gut. Ein interessanter Schreibansatz, dass ein Haus (das Herrenhaus Rosindell) in der Geschichte so eine zentrale Rolle spielt... 

Klappentext: 
Anlässlich ihres 75. Geburtstags lädt Esme ihre Kinder und Enkel in das leer stehende Herrenhaus Rosindell an der Küste von Devon ein. Alles hier erinnert sie an glamouröse Zeiten mit rauschenden Sommerfesten, an den Beginn der einen großen Liebe ihres Lebens – aber auch an jene unheilvolle Affäre, die hier einst begann und in eine Tragödie mündete, die noch zwei Generationen später nachklingt. Erst jetzt hat Esme den Mut, das Geheimnis ihrer Familie aufzuklären und dem Fluch ein Ende zu setzen.



3. Erwartung (Der Marco Effekt) -- Jussi Adler- Ohlsen (4 Sterne)

--> Der 5. Fall für Carl Mørck und wie immer spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Auch die Entwicklung der Hintergrundgeschichten hat mir gut gefallen. Es kommt ein neuer Charakter hinzu, der das Team ein bisschen aufmischt. 
Außerdem konnte ich mit diesem Buch wieder einen Titel von meiner Liste streichen. :) 

Klappentext: 
Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan,dessen Mitglieder von ihrem gewalttätigen und zynischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als er sein Sklavendasein nicht mehr aushält und flieht, stößt er ganz in der Nähe von Zolas Wohnsitz auf eine Männerleiche …
Die Suche nach dem Mörder führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt– und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.



4. Einmal im Leben -- Jhumpa Lahiri (3 Sterne)

--> eine schöne Liebesgeschichte. Ich mochte die kulturellen Aspekte und das die Geschichte aus den Perspektiven beider Liebender erzählt wurde. Das Ende hat mich überrascht. 

Klappentext: 
Hema und Kaushik lernen sich in Massachusetts kennen. Ihre Eltern, die aus Bengalen stammen, sind befreundet, sie selbst können wenig miteinander anfangen. Dafür ist der ältere Kaushik viel zu in sich gekehrt. Hema himmelt ihn erfolglos von ferne an. Fast zwanzig Jahre später begegnen sie sich zufällig in Rom: Kaushik ist ein angesehener Kriegsfotograf, Hema will vor einer Vernunftehe in Kalkutta ein letztes Mal die Freiheit kosten. Heimatlos sind sie beide, weltgewandt und doch getrieben. Eine jähe, wilde Liebe erfasst sie. Aber vielleicht ist es zu spät.

Rassismus

Rezension: "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee

Montag, Juli 25, 2016

Leseprobe Bestseller Klassiker Rassismus Pulitzer Preis Amerika

Kurzmeinung

Bei diesem Pulitzer-Preis-Gewinner hatte ich etwas anderes erwartet, etwas schweres, hochliterarisches. Stattdessen überraschte mich eine atmosphärische Geschichte aus dem Leben zweier Kinder in den Südstaaten der 1930er. Es liest sich sehr leicht; dennoch werden einige schwierige Themen behandelt. 




Bewertung: 4/5 Sternen 



Klappentext

Amerika in den 30er Jahren. In die idyllische Südstaaten-Kindheit der achtjährigen Scout und ihres älteren Bruders Jem drängt sich die brutale Wirklichkeit aus Vorurteilen und Rassismus. Scouts Vater Atticus, ein menschenfreundlicher Anwalt, soll den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson verteidigen, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat. Tapfer versuchen Scout und ihr Bruder, das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters zu unterstützen, und geraten dabei selbst in große Gefahr.

Zum Buch

Die Geschichte wird aus Sicht der aufgeweckten Jean Louise, genannt Scout, erzählt. Sie lebt mit ihrem älteren Bruder Jem und ihrem Vater Atticus Finch in der fiktiven Kleinstadt Maycomb Alabama . Zunächst taucht man ein in die Atmosphäre der Südstaaten der 1930er und erlebt durch Souts Augen eine unbeschwerte Kindheit dieser Zeit. Es sind Sommerferien und die Kinder spielen den ganzen Tag draußen, können sich frei in der Nachbarschaft bewegen und jeder kennt jeden in dieser Kleinstadt- Idylle. Bald bekommt das Geschwisterpaar Verstärkung in Form des Nachbarjungen Dill und zu dritt verbringen sie einen unbeschwerten Sommer. Viel Raum nehmen dabei auch die Spekulationen über den mysteriösen Nachbarn Arthur (Boo) Radley ein. Dieser soll irgendwie gestört sein und nie das Haus seines Vaters verlassen. Der ältere Jem schmückt die Gerüchte mit gruseligen Details für die beiden Jüngeren; es entwickelt sich so manche Mutprobe, sich zum Beispiel Boos Haus zu nähren. 
Im Laufe der Geschichte lernen die Geschwister jedoch die menschliche Seite an Boo kennen, der ihnen kleine Geschenke in einem Astloch in einem Baum hinterlegt, den sie auf ihrem Schulweg passieren. 

Die kindliche Idylle der Finch- Geschwister wird jedoch je Erschüttert, als ihr Vater, Rechtsanwalt, die Verteidigung des schwarzen Farmarbeiters Tom Robinson übernimmt. Dieser soll eine weiße junge Frau geschlagen und vergewaltigt haben. 

In Maycomb herrscht immer noch starker Rassismus und die weiße Bevölkerung ist schockiert darüber, dass "einer der Ihren" einen "Neger" vertritt. Und so setzt Atticus nicht nur seinen Ruf und sein Ansehen aufs Spiel, sondern sogar sein Leben. Denn die aufgebrachten Farmer wollen nicht auf das Urteil des Gerichts warten und an Tom Selbstjustiz üben. Atticus, der so etwas schon geahnt hatte, ist zwar zur Stelle und versucht, die Männer zu beschwichtigen. Letztendlich ist es aber Scout, die mit ihrer kindlichen Unschuld die aufgeheizte Situation beruhigen kann. 
Auch Scout und Jem bekommen den Unmut ihrer Mitschüler zu spüren und müssen sich mit schweren moralischen Fragen auseinandersetzen. Ihr Vater ist dabei immer Vorbild und Leitfigur in moralischen Fragen. Er ist immer bereit, den Kindern sein Verhalten zu erklären und zu begründen. 

Schließlich findet die Gerichtsverhandlung statt und es kommt zu so manch überraschender Wendung. Atticus' Schlussplädoyer ist ein Appell and die Menschlichkeit und er fordert Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen. Doch die Kleinstadt ist noch nicht bereit für diese Einsicht. 


Meine Meinung

Wie gesagt, hatte ich etwas anderes erwartet. Von dem Pulitzer Preis- Gewinner war ich immer etwas eingeschüchtert. Als ich mich jetzt aber an die Lektüre gewagt habe, hat mich die sommerliche Kleinstadt-Atmosphäre gleich gefangen genommen und die aufgeweckte Scout habe ich sofort ins Herz geschlossen. 
Bis zur Hälfte des Buches ungefähr ist die Geschichte ausgefüllt von den Erzählungen über die Abenteuer und den Alltag der Kinder. Das ist nicht übermäßig spannend und auch nicht von großem moralischen Anspruch oder Ähnlichem. Aber es ließt sich sehr flüssig und die Autorin nimmt sich viel Zeit, die einzelnen Charaktere vorzustellen und dem Leser ein Gefühl für die Menschen und die Stimmung in der Kleinstadt Maycomb zu geben. 
Die Schilderung der ganzen Rassen- Problematik und der Gerichtsverhandlung ist absolut gelungen, besonders, da man die Geschehnisse ja durch die Augen der kleinen Scout sieht. Und oft ist es ihre kindliche Unschuld und ihre naiven Fragen, die einem die Absurdität der Vorurteile der Erwachsenen besonders offensichtlich erscheinen lassen. 

Anfangs musste ich ein bisschen schlucken, als immer wieder Begriffe wie "Neger" oder "Nigger" vorkamen. Doch nach einer Weile konnte ich diese Ausdrucksweise als zu der Atmosphäre und der Zeit gehörig akzeptieren und im Gesamtbild ist es ja auch durchaus stimmig. Dennoch erfordert es natürlich zunächst einmal ein Umdenken, wenn man als Leser so vollkommen anders sozialisiert wurde. 


Mein Highlight aus dem Buch ist Atticus Finch. Ein wundervoller Charakter, der versucht, allen gerecht  zu werden und seine moralischen Werte über sein Ansehen und das seiner Familie stellt. Er ist dabei ein liebevoller Vater, der sich immer Zeit nimmt, die Fragen seiner Kinder zu beantworten und sie ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen. Er hat hohe Ansprüche an sich und an seine Kinder, ist aber gleichzeitig voller Verständnis und Respekt für sie und die anderen Bewohner der Stadt, die diese Ansprüche nicht erfüllen und ihn und auch andere schlecht behandeln. Es ist diese Größe, die mich so beeindruckt hat. Er lehrt seine Kinder Besonnenheit, und das man erst in die Haut des anderen schlüpfen und darin herumwandern muss, bevor man sein Verhalten beurteilen darf. 

Viele seiner Aussagen habe ich mir herausgeschrieben, um sie nicht zu vergessen, weil aus ihnen so viel Weisheit spricht. So zum Beispiel: 


Scout: Atticus, du musst dich irren.   Atticus: Wieso?    Scout: Weil die meisten Leute denken, dass du dich irrst.   Atticus: Sind berechtigt so zu denken und können verlangen, dass wir ihre Meinung akzeptieren. Aber bevor ich mit anderen leben kann, muss ich mit mir selbst leben. Das einzige, das sich keinem Mehrheitsbeschluss beugen darf, ist das menschliche Gewissen.


Fazit 

Insgesamt kann man die vorherrschende Stimmung und Werte in Alabama der 1930er sehr gut nachempfinden und völlig in die Kleinstadtatmosphäre eintauchen. Man kann seine eigenen Einstellungen hinterfragen und sie an den hohen Standards von Atticus messen. 
Das Problem der Vorurteile ist ja in irgendeiner Form leider immer noch aktuell und wird es wahrscheinlich auch noch eine weile bleiben. 
Daher kann ich dieses Buch wirklich uneingeschränkt empfehlen, wobei es gleichzeitig auch eine schön geschriebene Geschichte ist und sich toll lesen lässt. 
Es ist eine Geschichte, die man mit seinen Kindern lesen kann und bietet sicherlich auch dort viel Stoff für Diskussionen, ob in der Familie oder als Lektüre in der Schule. 


Verlag: rowohlt
Seiten: 464 
Preis:  19,59€ (Hardcover),   9,99€ (Taschenbuch)



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Krankheit

Rezension: "Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho

Mittwoch, Juli 06, 2016




Verlag: Diogenes 
Seiten: 224
Preis: 10€ (Hardcover, Taschenbuch), 7,99€ (eBook) 


Bewertung: 4 von 5 Sternen 


Kurzmeinung: 

Dieses Buch hat mir wirklich bewegt und zum Nachdenken angeregt. In wunderschöner Sprache hinterfragt Coelho, was eigentlich "normal" ist und zeigt die alltäglichen Zwänge der Gesellschaft auf. Sehr eindrücklich werden das Leben und Leiden der Charaktere beschrieben. Das Bucht ist voller schöner Zitate, die mich noch lange verfolgt haben und werden. 


Klappentext: 

Die Geschichte einer unglücklichen jungen Frau, die sterben will und erst angesichts des Todes entdeckt, wie schön das Leben sein kann, wenn man darum kämpft und etwas riskiert. Ein wunderbares Buch über die Prise ›Verrücktheit‹, die es braucht, um den eigenen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen, und eine große Liebeserklärung an das Glück in jedem von uns



S.17 "Veronika hatte beschlossen, an diesem schönen in Ljubljana zu sterben, während bolivianische Musiker auf dem Platz spielten, ein junger Mann unter ihrem Fenster vorbeiging, und sie war glücklich über das, was ihre Augen sahen und ihre Ohren hörten. Noch glücklicher war sie, dass sie dies nicht noch weitere dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre sehen musste, denn es würde sich abnutzen und zur Tragödie eines Lebens werden, in dem sich alles wiederholte und ein Tag dem anderen
gleicht."


Zum Buch: 


Gleich zum Anfang des Buches lernen wir Veronika kennen, die nicht mehr so richtig Lust auf das Leben hat und keine Perspektive für sich sieht. Sie beschließt daher sich das Leben zu nehmen. 



S.13 "Ihr Leben verlief gleichförmig, und wenn die Jugend erst einmal vorbei war, würde es nur noch abwärts gehen, sie würde altern, krank werden, Freunde verlieren. Letztlich würde Weiterleben nichts bringen, vermutlich nur mehr Leid."

So nimmt Veronika eine Überdosis Pillen und legt sich hin, um auf den Tod zu warten. Der Selbstmordversuch misslingt allerdings und sie erwacht in der Psychiatrie "Villette". Dort teilen die Ärzte ihr mit, dass ihr Herz durch die Pillen stark geschädigt wurde und sie in den nächsten Tagen sterben wird. 
So ist die Protagonisten nun gezwungen, sich mit dieser skurrilen Situation zu arrangieren und lernt das Leben in Vilette und seine Bewohner kennen. 


S. 21 "Wie sollte man in einer Welt, in der man um jeden Preis versucht zu überleben, Menschen beurteilen, die zu sterben beschließen?"

Und in dieser ungewöhnlichen Umgebung und im Austausch mit den vermeintlich "Verrückten" lernt sie, dass es im Leben so viel mehr gibt, als sich an Regeln zu halten und sich den Normen entsprechend zu verhalten. Sie lernt sich selbst (wieder) kennen und entdeckt ihre alten Wünsche und Träume. Losgelöst von den Zwängen der Gesellschaft hinterfragt sie, was denn "normales" Verhalten ist und wem es eigentlich zusteht, sie zu bewerten. 


S.181 "Jeder Mensch ist einmalig und einzigartig, mit seinen Eigenschaften, Trieben, Begierden und Abenteuern. Doch die Gesellschaft zwingt ihm ein kollektives Verhaltensmuster auf..."

Sie kann frei und ungezwungen einfach sie selbst sein, ohne das sie von jemandem beurteilt wird -und findet dadurch zu sich selbst und ins Leben zurück. 


S. 46  "Hier drinnen können alle sagen, was sie denken, tun, was sie wollen, ohne auf Kritik zu stoßen."
S. 73 "Als ich die Tabletten genommen habe, wollte ich jemanden umbringen, den ich hasste. Ich wusste nicht, dass es in mir auch Veronikas gab, die ich lieben könnte."


Natürlich ist das kein leichter Weg und Veronika hadert immer wieder mit ihrem Schicksal. Es findet in ihr eine Entwicklung statt, die man als Leser auch gut nachvollziehen kann. 



Meine Meinung: 

Was für ein schönes Buch. Es hat mich wirklich sehr bewegt. Wie ihr eventuell schon gemerkt habt, habe ich mir sehr viele schöne Zitate rausgeschrieben, die mich sehr zum Nachdenken angeregt haben. (Deswegen habe ich für das Lesen dieses eigentlich recht kurzen Buches auch so lange gebraucht...) 

Die Charaktere sind komplex und anders, als andere Charaktere, die man sonst so aus Büchern kennt. Es war bei mir nicht so, dass ich die Charaktere besonders mochte, oder ihnen besonders nahe war. Trotzdem konnten sie mich berühren und mir (und Veronika) ihre Lektionen erteilen. 
Man lernt die Villette- Bewohner kennen, ihre Geschichten, wie sie aus dem "Leben draußen" nach Vilette gekommen sind. Die Geschichten sind alle sehr unterschiedlich und immer sprechen die Personen sehr reflektiert über ihre Reise, so dass man als Leser viele tiefe Einblicke und Erkenntnisse gewinnen kann. 


S.42 "Ich hoffe allerdings, dass diese Substanz mir nur das Problem meiner chronischen Depression löst. Ansonsten möchte ich weiterhin verrückt sein, mein Leben so leben, wie ich es mir erträume, und nicht so, wie die anderen es von mir erwarten."

Es geht um Liebe, Freundschaft, persönliches Leid und um Ängste, den Ansprüchen der Gesellschaft und den Erwartungen an eine aufgedrängte Rolle nicht erfüllen zu können. 
Man wird als Leser gezwungen, seine eigenen Ansichten über "normales Verhalten" zu überdenken und wird mit seinen eigenen Vorurteilen gegen psychisch Kranke konfrontiert. Stigmatisierung spielt eine große Rolle. 

Mir hat das Buch gut gefallen, gerade weil es mich teilweise aus meiner Komfortzone gedrängt hat und ich mir schwierige Fragen stellen musste.
Und auch das ich über mein eigenes Leben nachdenken musste, warum ich es lebenswert finde, und das ich die alltäglichen Freuden zumindest für eine Zeit nicht mehr als so selbstverständlich annehme, hat mir gefallen. 
Ich finde, die Lektüre dieses Buches ist auf jeden Fall eine Bereicherung. 



Verfilmung:

Manche von euch kennen vielleicht auch den Film. Der hat mir auch sehr gut gefallen und hat viele Szenen aus dem Buch gut umgesetzt. Allerdings wurde auch einiges geändert und vor allem das Ende ist deutlich anders. Aber sowohl Buch als auch Film sind als eigenständige Werke zu empfehlen. 
Ich habe den Film vorher gesehen und war beim Lesen dementsprechend manchmal etwas überrascht. Im Film nimmt zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Veronika und einem schizophrenen Insasse viel mehr Raum ein. 
Das Buch konnte mit der wunderschönen Sprache und den vielen tollen Zitaten wirklich überzeugen. 




Weitere Zitate: 

Wie schon erwähnt, steckt dieses Buch voller wunderschöner Zitate und ich konnte einfach noch nicht genug in der Rezension unterbringen. 
Deswegen gibt es hier noch ein paar schöne und interessante Gedanken aus dem Buch. 
Wer also noch ein paar Einblicke bekommen möchte, kann hier noch ein bisschen stöbern. 

S.9 Ein Selbstmord verlangt, dass man zuerst an sich und dann erst an die anderen denkt.


S.15 Gott hatte dieses Durcheinander voller Elend, Ungerechtigkeit, Geldgier und Einsamkeit geschaffen - sicher in der besten Absicht, doch mit verheerenden Folgen.


S. 21 Nie zuvor hatte ihre Stimme so ruhig, so eins mit ihrem Schicksal und gelassen geklungen. Sie sagte, sie sei weder glücklich noch unglücklich und hielte es daher nicht weiter aus.


S. 18 "Als Veronika die Augen öffnete, dachte sie nicht "Das muss der Himmel sein". Leuchtende Sterne tanzten vor ihren Augen und Veronika begriff, dass diese Sterne nicht zum Paradies gehörten, sondern von ihren ungeheuren Schmerzen herrührten."


S.51 Sie hatte viele ihrer Wünsche geopfert, damit ihre Eltern sie weiterhin so liebten, wie sie sie als Kind geliebt hatten, obwohl sie wusste, dass wahre Liebe sich mit der Zeit verändert und wächst und neue Möglichkeiten findet, sich auszudrücken.


S.107 "was hattest du schon zu verlieren?" "Meine Würde." "Was ist denn schon Würde? Das bedeutet doch nur, dass alle finden, dass du brav, wohlerzogen und voller Nächstenliebe bist"


S.107 "hör auf ständig zu glaube, dass du jemanden störst. Wenn die Leute sich gestört fühlen, werden sie es schon sagen. Und wenn sie nicht den Mut dazu haben, ist das ihr Problem."


Lesemonat || Juni

Donnerstag, Juni 30, 2016

Schon wieder ist ein Monat um. Ich habe diesmal nur 5 Bücher geschafft. Das sind insgesamt 2115 Seiten, also ca 70 Seiten pro Tag. Man merkt, dass die Prüfungszeit losgeht, auch daran, dass ich kaum Rezensionen geschrieben habe... Schande über mich. Aber die Uni nimmt mich gerade sehr in Anspruch. 
Also hier sind meine Juni Bücher - es war dafür auch ein echtes Highlight dabei :) 



1. Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert -- Joel Dicker (5 Sterne) 

--> Ein spannender Krimi und ein Buch über Liebe, Freundschaft und das Schreiben. Die Seiten fliegen nur so dahin und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Großartige Sprache! 
Meine Rezension dazu gibt es hier


Klappentext: 
Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln ...


2. Veronika beschließt zu sterben -- Paulo Coelho (4 Sterne) 

--> Ein Buch mit vielen wunderschönen Zitaten, die einen zum Nachdenken über das eigene Leben und seinen Sinn anregen. Teilweise sehr tiefgründig und trotzdem immer leicht zu lesen. 
Wollt ihr mehr dazu wissen? Schaut hier vorbei. 

Klappentext: 
Die Geschichte einer unglücklichen jungen Frau, die sterben will und erst angesichts des Todes entdeckt, wie schön das Leben sein kann, wenn man darum kämpft und etwas riskiert. Ein wunderbares Buch über die Prise ›Verrücktheit‹, die es braucht, um den eigenen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen, und eine große Liebeserklärung an das Glück in jedem von uns.

3. Die kleine Souvenirverkäuferin -- François Lelord ( 3 Sterne)

--> Eine süße Geschichte für zwischendurch und Interessantes über das Land Vietnam 

Klappentext: 
Kann man sich verlieben, wenn einen Welten trennen? Und warum kann man sich manchmal nicht lieben, wenn doch alles zu passen scheint? Könnte es Julien doch nur gelingen, Cleas Gefühle zu erwidern. Gemeinsam arbeiten die beiden Ärzte daran, den Ausbruch einer Epidemie in Hanoi zu verhindern. Aber obwohl sie das perfekte Paar wären, muss Julien immerzu an eine junge Vietnamesin denken, der er manchmal am See des zurückgegebenen Schwertes begegnet …

4. Mein bester letzter Sommer -- Anne Freytag (3,5 Sterne)

--> wieder ein viel gelobtes Buch, das mich nicht so begeistern konnte. Die Charaktere waren mit etwas zu platt und die Geschichte hat mich erst nach weit nach der Hälfte wirklich mitgerissen. Dafür hat es aber ein sehr angenehmen Schreibstil und das Ende hat mich total umgehauen. Meine Rezension dazu. 

Klappentext: 
Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

5. Wer die Nachtigall stört -- Harper Lee (4,5 Sterne) 

--> Ich hatte etwas anderes erwartet. Dennoch hat mir das Buch gut gefallen. Ein ehrlicher Blick auf die Gesellschaft im Südstaaten Amerika in den 1930ern - aus der ungetrübten Sicht eines Kindes. Es geht um dem Rassenkonflikt, aber doch eigentlich um Moral und Menschlichkeit allgemein. 
Die Rezension findet ihr hier

Klappentext: 
Amerika in den 30er Jahren. In die idyllische Südstaaten-Kindheit der achtjährigen Scout und ihres älteren Bruders Jem drängt sich die brutale Wirklichkeit aus Vorurteilen und Rassismus. Scouts Vater Atticus, ein menschenfreundlicher Anwalt, soll den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson verteidigen, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat. Tapfer versuchen Scout und ihr Bruder, das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters zu unterstützen, und geraten dabei selbst in große Gefahr.







Rezension: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker

Sonntag, Juni 19, 2016


Kurzmeinung:

Ein spannender Krimi und ein Buch über Liebe, Freundschaft und das Schreiben. Die Seiten fliegen nur so dahin und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Großartige Sprache! 


Verlag: Piper
Seiten: 736
Preis: 22,99€ (Hardvover), 9,99€ (Taschenbuch, eBook)


Bewertung: 5/5 Sterne 





Klappentext:

Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln ...



Zum Buch: 

Der Protagonist Marcus Goldman ist ein gefeierter Schriftsteller, dessen erster Roman gleich ein großer Erfolg wurde. 2 Jahre genoss er ein Leben in Saus und Braus und gab sich ganz seinem Ruhm hin, ohne eine weitere Seite zu schreiben. Als ihm klar wird, dass es so nicht weitergehen kann, muss Marcus jedoch feststellen, dass er an der "Schriftstellerkrankheit" leidet. Es fehlt ihm an Inspiration und so beschließt er, seinen alten Freund und Mentor Harry Quebert aufzusuchen. Dieser steckt jedoch in ernsthaften Schwierigkeiten. In seinem Garten wird die Leiche von Nola Kellergan entdeckt, einem beliebten Mädchen aus Aurora, welches vor 33 Jahren verschwunden ist. Quebert muss ins Gefängnis und es sieht nicht gut für ihn aus. Marcus Goldman ist schockiert und will seinem Freund beistehen. Er beginnt, selbst Nachforschungen anzustellen und ermittelt nach anfänglichen Schwierigkeiten bald zusammen mit dem ermittelndem Polizisten der State Police, Sergeant Gahalowood. Gemeinsam rollen sie den alten Fall noch mal auf und befragen alle Personen, die in Nolas Leben eine Rolle gespielt haben. Dabei machen sie bald schockierende Erkenntnisse und nichts ist, wie es zunächst scheint. 

Das Buch ist hauptsächlich aus Sicht von Markus Goldman geschrieben. Allerdings gibt es auch immer Zeitsprünge in die Zeit von vor 33 Jahren. Dann schildert die jeweilige von Goldman befragte Person ihre Sicht der Geschehnisse im Jahr 1975. Der Leser sieht die Vergangenheit dadurch aus verschiedenen Blickwinkeln, was sehr spannend ist. Auch kann man so gut die Motive und Gedanken der verschiedenen Personen nachvollziehen und die Charaktere werden einem sehr greifbar und nah. Schon bald fühlt man sich, als wäre man gut bekannt mit den Einwohnern Auroras. 


Das Buch ist in 3 Teile gegliedert: 



   Die Schriftstellerkrankheit (acht Monate vor Erscheinen des Buches)
   Die Genesung der Schriftsteller (Das Schreiben des Buchs)
   Das Paradies der Schriftsteller (Erscheinen des Buchs)

Die Kapitelnummerierung beginnt mit No.33 bis man sich langsam zu Kapitel 0 vorarbeitet. Schon allein diese absteigende Nummerierung erzeugt Spannung, da man sich im wahrsten Sinne des Wortes an "Stunde Null" heranarbeitet. Außerdem beginnt jedes Kapitel mit einer Lektion übers Schreiben von Harry an Marcus. Das waren teilweise wirklich wunderschöne Zitate. 



„Lernen Sie Ihre Niederlagen zu lieben, Marcus. Denn an ihnen werden Sie wachsen. Es werden Ihre Niederlagen sein, die Ihre Siege so köstlich machen.“



Meinung: 

Wow, was für ein Buch. Der Plot und der wunderschöne Schreibstil haben mich wirklich restlos begeistern können. Die Zeitsprünge und die verschiedenen Perspektiven sind gelungen umgesetzt und an keiner Stelle verwirrend. 

Die Charaktere sind alle sehr fein gezeichnet und absolut glaubwürdig. Nach und nach werden sie liebevoll eingeführt und man erfährt immer mehr über sie und bekommt ein immer klareres Bild von den Einwohnern des kleinen Städtchen Aurora. 

Auch die Stimmung zu der Zeit ist gut eingefangen. Man fühlt sich, als wäre man selbst mitten drin in dieser amerikanischen Kleinstadt im Jahr 1975. 

Die Lektionen von Harry am Anfang jedes Kapitels fand ich sehr schön und teilweise sehr inspirierend. 


Am meisten beeindruckt hat mich aber der wunderschöne Schreibstil. Er ist recht einfach und gut zu lesen, aber trotzdem elegant und schön. Das Buch ist ein Krimi, der vollkommen ohne übertriebene Gewaltdarstellung und Blutdurst auskommt. Spannungserzeugend sind nicht wie sonst oft wilde Verfolgungen und Katz und Maus spiel mit dem Täter, sondern wirklich die Geschichte und die Ermittlungsarbeit selbst. Dieses Buch ist ganz anderes als andere Krimis, die ich sonst gelesen habe und hat mich schwer begeistert. 

Das Stilmittel der Zeitsprünge ist gekonnt eingesetzt und erzeugt zusätzlich Spannung. Nach und nach entfaltet sich die wahre Geschichte vor dem Leser und immer wenn man glaubt, eine Ahnung zu haben und langsam zu verstehen, kommt alles doch noch einmalganz anders, als man dachte. 

Hier ein kleines Beispiel für die wahrlich geniale Konstruktion der Handlung: 

Harry Quebert ist als Autor berühmt geworden mit dem Buch "Der Ursprung des Übels" in dem es um eine verbotene Liebe zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau geht. In Dickers Buch sind Auszüge aus dem (fiktiven) Buch "Der Ursprung des Übels" abgedruckt. Man liest die Passagen, darüber, ob den Liebe falsch sein kann und warum man sich Vorschriften von der Gesellschaft machen lassen kann, wenn was man fühlt so echt und rein ist. Und als Leser jubelt man und stimmt aus vollem Herzen zu. Wie engstirnig und gar albern, eine Liebe zu verpönen, nur weil die Liebenden verschiedene Hautfarben haben. 
Und dann liest man die selben Passagen noch einmal, mit dem Hintergrundwissen, dass es eigentlich um die verbotene Liebe zwischen dem 33-jährigen Harry Quebert und der 15-jährigen Nola geht. Und dann sieht die Sache schon ganz anders aus. 
Ich fand es unglaublich spannend zu sehen, was allein diese kleinen Passagen mit mir gemacht haben. Wie ich es je nach Hintergrundwissen anders wahrgenommen und bewertet habe. Für mich ein wahrer Kunstgriff.

Fazit:

Eindeutig eines meiner Highlights 2016. Das Buch hat mich wirklich begeistern können. 
Es ist einfach alles stimmig in diesem Roman -die Atmosphäre, die Charaktere, die Handlung mit den vielen überraschenden Wendungen. Verpackt ist dieser spannende Krimi in eine wunderschöne, fließende Sprache. Und die Themen sind die, die wohl jeden von uns bewegen -Liebe, Freundschaft und Vertrauen. 
Die Geschichte ist gut konstruiert uns spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Erarbeitung der Geschehnisse ist plausibel und man fiebert richtig mit. 
Nebenbei bekommt man auch spannende Einblicke in die Arbeit der Schriftsteller und auch des Verlagswesen, was ich auch sehr interessant fand. 
Eine absolute Leseempfehlung, auch für Leser, die sonst eher Krimi- Muffel sind. 



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Montag, Juni 06, 2016


Kurzmeinung: 

Ein spannender Familienroman, der sehr eindrücklich das Psychogramm einer auf den ersten Blick ganz normalen Familie zeichnet. Doch jedes Familienmitglied hat seine kleinen Geheimnisse und so kommt es nach jahrelangem Anstauen von kleinen Missverständnissen und Lügen zur Katastrophe. Erzählt in einer klaren Sprache und sehr beklemmender Atmosphäre.


Bewertung: 4 von 5 Sternen 



Klappentext:

"Lydia ist tot." Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord? 
Die Lieblingstochter von James und Marilyn Lee war ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat.

Zum Buch:

Zu Beginn des Buches verschwindet also die "Lieblingstochter" der Familie: Lydia. Nach einiger Zeit der Suche wird bald die Leiche der 16-jährigen gefunden. Diese schockierenden Ereignisse reißen die Familie aus ihrem Trott und jahrelang angestaute Geheimnisse kommen langsam ans Licht. 

Das Geschehen wird abwechselnd aus Sicht der verschiedenen Familienmitglieder geschildert. Da gibt es zum einen die Mutter Marilyn, die ihre großen Karrierewünsche für die Familie aufgab. 


"Ich hätte das schaffen können" Das hypothetische Plusquamperfekt, die Zeit der verpassten Chancen. (Marilyn, S.99)

Den Vater James, der als Immigrant aus China sein Leben lang mit Vorurteilen zu kämpfen hatte und nie richtig seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat. Dann gibt es noch den ältesten Sohn, Nathaniel, der nie die Erwartungen seines Vaters erfüllen konnte. Und Hannah, die Jüngste und meist von allen Übersehene. 
Diese auf den ersten Blick idyllische und völlig typische Familie hat aber viele Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen. Jeder glaubt, den anderen zu kennen, und tut es doch nicht. Sie sind eine Familie, und doch ist jeder auf seine Art einsam, weil sich die Familienmitglieder zu wenig sagen, zu wenig zuhören und zu viel verschweigen, aus Angst, sich zu offenbaren und damit auch verletzlich zu machen. Ein Buch das zeigt, das man nie wirklich wissen kann, was in einem anderen Menschen vorgeht. Auch wenn man ihn noch so gut zu kennen glaubt. 

Das Buch spricht viele wichtige Themen an: Es geht um Immigration und Vorurteile, um Emanzipation, um Erwartungen der Eltern an ihre Kinder, um Mobbing, Einsamkeit und Kommunikation in der Familie. 

So kommt nach und nach zum Vorschein, wie sehr Lydia unter dem Druck gelitten hat, die Erwartungen ihrer Mutter zu erfüllen, die all ihre Wünsche und Träume auf ihre älteste Tochter projiziert hat. 
Und auch Nath kann die Erwartungen seinen Vaters nicht erfüllen. James erkennt sich selbst sehr stark in seinem Sohn und hätte sich doch eigentlich so viel Anderes, aus seiner Sicht Besseres für ihn gewünscht. James kann die Probleme seines Sohnes nachvollziehen, hatte er doch selbst mit Vorurteilen und Mobbing zu kämpfen. Und doch kann er nicht über seinen Schatten springen und ihm zeigen, dass er ihn versteht -oder noch viel wichtiger, dass er ihn liebt. Der Vater hat letztendlich auch Schuldgefühle gegenüber dem Sohn, die eine echte Nähe unmöglich machen. 

Meinung: 

Für mich ingesamt ein sehr gutes Buch. Die Charaktere sind sehr plastisch und echt, die Gefühle und Beziehungen gut beobachtet und feinfühlig beschrieben. Die Geschichte wird in einer klaren Sprache erzählt, die einen schnell ins Geschehen finden lässt. 
Die Erzählung ist gespickt mit kleinen Beobachtungen und Erinnerungen, die das Geschehen nah und echt wirken lassen. So zum Beispiel, als James sich mitten im Streit mit Marilyn daran erinnert, wie sie beide bei einer zärtlichen Berührung gleichzeitig Gänsehaut bekommen haben, und James dieser engen Verbindung nachtrauert. 

Der Aufbau ist meistens klar, doch die erwähnten Perspektivwechsel passieren oft recht abrupt und mitten in einem Absatz, so dass für mich manchmal nicht ganz klar war, aus wessen Sicht wir das Geschehen gerade geschildert bekommen. Da muss man wirklich aufmerksam lesen. Aber das lohnt sich auf jeden Fall, denn neben den Perspektivwechseln gibt es auch immer wieder Zeitsprünge und so erfahren wir Stück für Stück mehr über die Familie Lee. 
Die Zeitsprünge fand ich auch in sofern spannend, da zu anderen Zeiten eben andere Konventionen geherrscht haben, und man sich mit einem anderen Gesellschaftsbild konfrontiert sieht. So ist etwas, was uns heute selbstverständlich erscheint -zB das beide Elternteile arbeiten gehen- damals noch ein Tabu. Unter diesem Aspekt bekommen die Gedanken, Wünsche und Handlungen der jeweiligen Charaktere eine neue Bedeutung. 

Die Geschichte ist dabei die ganze Zeit plausibel und nachvollziehbar. Der Leser bemerkt voll Bedauern, wie all die kleinen Missverständnisse und Zurückweisungen sich über ein Leben addieren und schließlich in einer Katastrophe münden. Dabei ist man als Leser so nah am Geschehen, dass man von einer starken Beklommenheit erfasst wird. 

An vielen Stellen habe ich gedacht "Hätten man diese Kleinigkeit anders gemacht oder hätte sie hier einmal genauer zugehört, dann wäre möglicherweise alles anders gelaufen." Und gerade dieses Realistische, diese Nähe, die Kleinigkeiten sind es, die in mir so eine bedrückende Stimmung erzeugt haben. 


Man liebte so sehr und erhoffte so viel, und am Ende hatte man nichts. (S.240)

Leider ist der Schluss für mich ein bisschen aus diesem stimmigen Gesamtkonzept herausgefallen und hat mit dieser toll heraufbeschworenen Stimmung gebrochen. Für mich war es unglaubwürdig und nicht ganz stimmig, wie sich dann auf einmal doch alle Familienmitglieder versöhnen und sich verstehen wollten. Ich hätte mir gewünscht, dass mich die Autorin mit diesem beklemmenden Gefühl zurücklässt. So hatte ich das Gefühl, dass auf Krampf eine Art "Happy End" gesucht wurde. 

Insgesamt aber ein eindringlicher und einfühlsam geschriebener Familienroman, den ich sehr empfehlen kann. Das Buch lässt einen über seine eigenen Beziehungen nachdenken und es gibt viele eindringliche Zitate, die mich noch eine Weile begleitet haben. 


So wie die Erinnerung an geliebte Menschen, die man verloren hat, sich immer weiter glätten, vereinfachen und ihre Vielschichtigkeit verlieren (S.263) 





Mein herzlichster Dank gilt dem Verlag und Vorablesen für das Rezensionsexemplar. 


Biblio:
Verlag: dtv
Seiten: 282

Preis: 19,90 € (Hardcover), 15,99€ (eBook) 


Über mich


Hallo, ich bin Julia, 28, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
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