Wir von der anderen Seite – Anika Decker [Rezension]

Freitag, September 06, 2019

SickLit Krankheit Tod Buchbesprechung Roman Bestseller
 "Ich hätte so gern, dass ich sagen darf, wovor ich Angst habe, ohne dass du ein schlechtes Gewissen bekommst, weil du mir nicht helfen kannst." (S. 210)

Kurzmeinung:

Ein Buch über den schweren Weg zurück ins Leben. Erzählt mal sehr berührend, voller Weisheit und Sätzen, die man sich unbedingt merken möchte, mal mit viel Humor, so dass man sich das Lachen kaum verkneifen kann.


Klappentext:

Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall? Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.

"Sie versteht nicht, dass man manches zwar verzeihen, aber nicht wiedergutmachung kann." 
(S. 93)

Meine Meinung: 

In "Wir von der anderen Seite" erzählt Anika Decker von Rahel Wald, die sehr plötzlich sehr krank wird und schließlich in ein Koma fällt, aus dem sie erst Tage später wieder erwacht. Ihr Körper ist schwach, viele Organe geschädigt. Und auch die Erinnerungen an die letzten Tage und Wochen vor dem Koma fehlen Rahel. Mit viel Mut macht sie sich auf den langen und schweren Weg zurück ins Leben. Neben Frust, Einsamkeit und Ängsten hat sie dabei aber auch immer eine ordentliche Portion Humor im Gepäck. Und so schaffe die Autorin Anika Decker hier beides: bewegende, tiefgründig Passagen über den Wert des Lebens, darüber, was eigentlich wirklich wichtig ist und was einem trotz aller Schwierigkeiten neuen Lebensmut gibt und locker-leichte Abschnitte mit sehr viel bitterbösem Humor. Durch diese Kombination wirken die ernsten Abschnitt nicht pathetisch und die witzigen Abschnitte nicht geschmacklos. Das ist der Autorin wirklich gut gelungen. 


"Soweit ich das mitbekommen habe, war mein Immunsystem in puncto Abwehr nicht viel besser ausgestattet als unsere Bundeswehr mit ihren rumpeligen Siebzigerjahrepanzern. Es sieht ganz so aus, als hätte ich einen ziemlich guten Arzt gehabt. Also danke von Herzen – auch wenn es noch nicht so schlägt, wie es sollte." (S. 73)

Schön fand ich auch, dass die ganz realen, praktischen Konsequenzen so einer schweren Erkrankung aufgezeigt werden. Die bürokratischen Hürden und der Papierkram, den die Krankenhausaufenthalte und Reha-Behandlungen mit sich bringen. Die teils erschreckenden Zustände im Krankenhaus wegen Personalmangel und Co. Die Abläufe in Reha-Kliniken, von vorgeschriebenen Sitzplätzen bis unangebrachten Flirtversuchen. Und den Reaktionen von Personen aus dem Umfeld –von großem, teils erdrückendem Mitleid bis hin zu Ungeduld, wenn das mit der Genesung dann doch nicht so schnell voran geht. 


"Seit alle Zugriff auf meinen Körper haben, habe ich wohl vergessen, dass er mir gehört, allein mir." (S. 153)

Nicht alles an dem Buch hat mir gefallen. Manchmal hat mir ein bisschen die Tiefe gefehlt, manche Personen waren für mich nicht ganz rund, bzw etwas übertrieben. Die Passage mit dem Schamanen fand ich überflüssig und etwas lächerlich und auch die teilweise sehr zugespitzte Darstellung vom Personal im Krankenhaus hat mir nicht ganz so gut gefallen. Aber insgesamt konnte mich das Buch wirklich überzeugen und ich kann es absolut weiterempfehlen. 


SickLit Krankheit Tod Buchbesprechung Roman Bestseller



Fazit: 

Trauer und Wut. Liebe und Streit. Verzweiflung und Hoffnung. Ein Buch das alles hat –und trotzdem nicht perfekt ist. Aber das macht gar nichts, denn die schönen, bewegenden und witzigen Passagen überwiegen und so kann ich euch das "Wir von der anderen Seite" von Anika Decker mit gutem Gewissen empfehlen. 


Biblio
Titel: Wir von der anderen Seite
Autorin: Anika Decker
Verlag: Ullstein
Seiten: 384

Das Buch wurde mir vom Ullstein Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch die Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.



Das könnte dir auch gefallen: 

Auf Null (Liebe wird aus Mut gemacht) – Catharina Junk
--> Auch in diesem Buch geht es um eine Frau, die sich nach einer schweren Krankheit den Weg zurück ins Leben erkämpfen muss. Und auch hier gibt es dabei sehr viel Humor. 

Kurt – Sarah Kuttner 
--> Auch dieser Roman hat die gelungene Verbindung von bewegender Geschichte und viel Humor.

Bis zum Himmel und zurück – Catharina Junk 
--> In dem Buch ist die Protagonistin ebenfalls Drehbuchautorin. Auch der Stil ist finde ich ähnlich. 


Plauderecke: 

Kennt ihr das Buch schon? Wie hat es euch gefallen? Und wie steht ihr generell zum Genre "SickLit"? 

You Might Also Like

0 Kommentare

Ich liebe den Austausch mit meinen Leser*innen und freue mich über jeden Kommentar.
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (https://leselustbuecher.blogspot.com/p/datenschutzerklarung.html) und in der Datenschutzerklärung von Google (https://policies.google.com/?hl=de&gl=de).

Über mich


Hallöchen, ich bin Julia, 25, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
Seit 2016 blogge ich hier über Bücher, Literaturevents und was mich sonst so beschäftigt.
Ich liebe Bücher, Kaffee, das Meer und Musik.
Wenn ihr mehr über mich wissen wollt, dann schaut bei "Über mich" vorbei oder schreibt mir auch gern. Ich habe immer ein offenes Ohr für euch.