Die Zeuginnen – Margaret Atwood

Dienstag, November 19, 2019

Dystopie Misogynie The Handmaid's Tale teil 2 Report der Magd Fortsetzung Gilead Kurzmeinung:

"Die Zeuginnen" von Margaret Atwood ist eine spannende Geschichte, eine interessante Dystopie und eine sehr gelungene Fortsetzung des großartigen Romans "Der Report der Magd".

Klappentext:

»Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.« - Als am Ende vom »Report der Magd« die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds »Report« zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit »Die Zeuginnen« nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. »Liebe Leserinnen und Leser, die Inspiration zu diesem Buch war all das, was Sie mich zum Staat Gilead und seine Beschaffenheit gefragt haben. Naja, fast jedenfalls.Die andere Inspirationsquelle ist die Welt, in der wir leben.«


Meine Bewertung:

Ich muss zugeben, dass ich etwas skeptisch war. "Der Report der Magd" fand ich so, so gut und ich hatte meine Zweifel, ob die Autorin an dieses Meisterwerk würde anknüpfen können. Und der Klappentext hat mich auch nicht sonderlich überzeugt.
Doch zum Glück habe ich dem Buch eine Chance gegeben und Atwood hat mich mal wieder von ihrem Können überzeugen können.

Atwood widersteht der Versuchung, direkt an den riesigen Cliffhanger anzuknüpfen, mit dem sie "The Handmaid's Tale" hat enden lassen. Die Geschichte setzt einige Jahre später ein und dreht sich auch nicht mehr um Desfred, die Protagonisten aus dem vorangegangenen Roman, sondern um, wie der Titel schon verrät, drei Zeuginnen, die über die weitere Entwicklung und schließlich den Verfall des totalitären Gottesstaates Gilead berichten.

Zum einen erzählt ein zunächst noch junges Mädchen vom Aufwachsen in Gilead. Hier erhalten wir Einblicke in die Gedanken einer jungen Frau, die seit ihrer Geburt in Gilead lebt und kein anderes System kennt. Wir erfahren viel über ihren Glauben, der ihr Kraft gibt, aber auch über ihre Zweifel und die Ängste, angesichts der großen Ungerechtigkeiten, mit denen sie dieses misogyne System konfrontiert.

Die zweite Zeugin ist eine junge Frau, die in Kanada aufwächst und uns eine Außenperspektive auf Gilead ermöglicht. Wie wird der Staat in den benachbarten Ländern wahrgenommen? Wie reagieren die Regierungen. Wir erfahren etwas über Kriege, die andere Länder mit Gilead führen oder geführt haben. Über diplomatische Methoden. Über Flüchtlingsunterkünfte für die Frauen aus Gilead und über die Untergrundorganisation "Mayday", die die Zeit nach der Handlung von "The Handmaid's Tale" überdauert hat.

Die für mich spannendste Zeugin war die schon aus "Report der Magd" bekannte und berüchtigte Tante Lydia. War sie im vorangegangenen Roman hauptsächlich zur Schreckensfigur stilisiert, wird sie nun zur fassbaren Person, bekommt einen Hintergrund, Motive. Es lassen sich Schattierungen und Graustufen erkennen, statt nur schwarz und weiß. Ich fand es sehr interessant mehr darüber zu erfahren, wie diese zuvor vollkommen normale Frau, aufgewachsen und sozialisiert in dem uns bekannten Amerika, zur berüchtigten Tante Lydia wurde.

Die Geschichte Gileads wird plausibel weitererzählt. Die Perspektivwechsel zwischen den drei Zeuginnen sind gelungen und haben mir gut gefallen. Die drei verschiedenen Handlungsstränge sind spannend und Atwood verwebt sie nach und nach miteinander bis zu einem rasanten Schlussteil, der mich nur so durch die Seiten hat fliegen lassen.

Dystopie Misogynie The Handmaid's Tale teil 2 Report der Magd Fortsetzung Gilead


Fazit:

"Die Zeuginnen" von Margaret Atwood hat mir gut gefallen. Zwar kann es nicht ganz an den großartigen Roman "Der Report der Magd" heranreichen, ist aber dennoch eine gelungene Fortsetzung und entwickelt die Geschichte des misogynen Gottesstaats Gilead plausibel weiter. Die Schicksale der drei Zeuginnen sind spannend erzählt und lassen sich sehr gut lesen. Denn Atwood ist eine großartige Erzählerin und das merkt man auch in ihrem neuen Roman "Die Zeuginnen". Ich kann euch die Geschichte sehr empfehlen, aber ich würde dazu raten, zuerst "Report der Magd" zu lesen, da einem sonst schon einige Hintergrundinformationen fehlen und die Geschichte eventuell weniger spannend ist.


Biblio
Titel: Die Zeuginnen 
Autorin: Margaret Atwood
Übersetzung:
Verlag: Berlin Verlag
Seiten: 576

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch die Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Das könnte dir auch gefallen: 

Der Report der Magd (Comic) – Margaret Atwood & Renée Nault
--> Der grandiose Vorgänger von "Die Zeuginnen" als Graphic Novel.

Die Gabe – Naomi Alderman 
--> Ebenfalls eine Dystopie, die sich allerdings um eine Verschiebung der Machtverhältnisse dreht, bei der Frauen plötzlich die Gabe entwickeln, elektrische Stromstöße abzugeben.

Vox – Christina Dalcher 
--> Auch hier entwirft die Autorin das Szenario einer Dystopie mit einer misogynen Gesellschaft, in der Frauen nur eine geringe Anzahl von Worten pro Tag erlaubt ist.



Plauderecke: 

Habt ihr das Buch auch schon gelesen? Wenn ja: wie hat es euch gefallen? Konnte es euerer Meinung nach mit dem Vorgänger mithalten?
Welche Bücher von Atwood könnt ihr noch empfehlen? 
Und welches sind eure liebsten Dystopien?

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3 Kommentare

  1. Schaust du denn auch die Serie? Ich habe bisher das Buch noch nicht gelesen, verfolge aber über EntertainTV die Serie und bin von der begeistert. Ich weiß, dass die ja schon vom Buch abweicht, um die Geschichte fortühren zu können, aber es wäre echt spannend zu wissen, ob Atwood da Entwicklungen der Serie im Buch aufgegriffen hat bzw. diese vielleicht auch an die Produzenten kommuniziert hat, sodass da eine Brücke zwischen beiden Medien geschlagen wurde?

    Das buch steht aber natürlich auch noch auf meiner Leseliste, genauso wie die Fortsetzung. Tante Lydia hat ja nun auch in Staffel 3 von "The Handmaid's Tale" ihre Hintergrundgeschichte bekommen, darauf hatte ich lange gewartet, weil ich neugierig war, wie ihr Leben davor aussah und wie sei Teil des Systems wurde.

    Lg Nicole
    #kommentiernetzwerk

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    1. Liebe Nicole,
      Von der Serie habe ich bisher nur das gesehen, was im Free TV lief, also nur Staffel 1. Die hat sich zu weiten Teilen an die Inhalte des ersten Buches gehalten und endet auch genau wie das Buch. Also kann ich zu den Weiterentwicklungen in der Serie leider nichts sagen. Die ersten Staffel hat mir aber echt gut gefallen und ich freue mich schon darauf, wenn auch die anderen Staffeln endlich im Free TV laufen werden. Bis dahin muss ich mich aber wohl noch etwas gedulden.
      Die Bücher kann ich dir auf jeden Fall auch sehr empfehlen, und auch der Comic zu dem ersten Roman ist wirklich toll, falls du sowas auch magst. :)
      Liebe Grüße, Julia

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  2. Hallo Julia,

    danke für die Rezension, die ich durch das Kommentierwochenende entdeckt habe.
    Das Buch liegt auf meinem SuB, aber ich möchte es möglichst bald lesen.
    Es freut mich zu hören, dass es so gut war, wie sein Vorgänger.

    LG
    Elisa

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