Fake – Frank Rudkoffsky [Rezension]

Mittwoch, November 06, 2019


Journalismus Hass im Netz #regrettingmotherhood Familie Karriere Beruf Beziehung Kurzmeinung:

Fake von Frank Rudkoffsky ist eine wirklich großartige Geschichte. Interessante und authentische Charaktere, viele aktuelle Themen und insgesamt einfach echt gut erzählt. Ich habe jede Seite dieses Buches genossen und ich kann jetzt schon sagen, dass es eines meiner Jahreshighlights 2019 ist! Einziger kleiner Kritikpunkt: das die Geschichte nicht länger war. Ich hätte gern noch viel länger die Entwicklung von Jan und Sophia verfolgt.





Klappentext:

Sophia und Jan sind jung und einigermaßen glücklich: Sie klettert steil die Karriereleiter bei Daimler hoch, er versucht sich als Journalist bei der Lokalzeitung. Dann bekommen sie ein Baby. Sie bleibt zu Hause und hütet das Kind, er kämpft um eine Festeinstellung in der Redaktion. Während Jan sich zunehmend exzessiv beim Joggen abreagiert, und das Baby einfach nicht aufhört zu schreien, gerät Sophia in einen immer größeren Taumel aus Frustration und Hilflosigkeit. Bis sie schließlich ein Ventil für ihren Frust findet: das Internet! Hier entlädt die ach so korrekte Vorzeigefrau alle Wut, und beleidigt im stillen Kämmerchen schamlos drauf los. Was sie nicht ahnt: Auch Jan hütet ein großes Geheimnis und fürchtet um seine Karriere. Sein größter journalistischer Erfolg basiert auf einer Lüge, die nun im Netz aufgedeckt zu werden droht. Beide verlieren unter dem Druck, sich zugleich im Job und Familie beweisen zu müssen, ihren moralischen Kompass. Ihre Lügen haben jedoch mehr miteinander zu tun, als sie denken...


Meine Meinung: 

Dieses dünne Büchlein erzählt eine große Geschichte und ich bin wirklich einfach nur begeistert. Ich bin sofort gut in die Geschichte reingekommen und war von Anfang an gefesselt. Die Charaktere werden sehr schön detailliert vorgestellt, so konnte ich mir schnell ein Bild machen. Mit Sophia habe ich sofort mitgelitten. Sie ist hatte eine tolle Karriere, einen Job, den sie gern gemacht hat, hat Vollzeit gearbeitet, ist in ihrer Freizeit mit Freunden ausgegangen. Ihr Leben hat sich radikal, als sie Mutter geworden ist. Man steigt in die Geschichte ein, in dem man Sophia dabei begleitet, sich an diese veränderten Umstände anzupassen. Wie sie den Wechsel von Vollzeitarbeitskraft zu Vollzeitmutter vollzieht und ihr Alltag statt aus Geschäftsmeetings, aus Babygeschrei und Windeln wechseln besteht. Ich finde es total großartig, wie der Autor es hinbekommt, sich so gut in die Perspektive hineinzuversetzen und das dann auch so gut wiederzugeben, dass ich als Leserin gleich mitgenommen wurde. Außerdem hat es mir wirklich gut gefallen, wie die Charaktere und die Dynamiken in den Beziehungen dargestellt werden, dass der Roman fast schon Züge einer Charakterstudie hat, trotzdem aber auch die Handlung nicht zu kurz gekommen ist und auch diese mich gefesselt hat. Auch den Schreibstil mochte ich sehr. Sehr ehrlich, authentisch. Neid, Sarkasmus, Wut, Scham –all das hat seinen Platz in der Geschichte und die Charaktere sind sehr echt, haben Ecken und Kanten und sind kein bisschen stereotyp.

Der zweite Protagonist ist Jan, der als Journalist arbeitet. Sein Leben hat sich durch das gemeinsame Baby weniger radikal verändert, doch nach und nach taucht man auch in seine Gefühlswelt immer weiter ein und lernt seine Probleme kennen. Den Leistungsdruck und die Unsicherheiten im Job, dass schlechte Gewissen, seine Freundin mit dem Kind alleine zu lassen.

Der Perspektivwechsel zwischen diesen beiden Figuren ist absolut gelungen.
Die Dynamik zwischen den Jan und Sophia ist sehr spannend. Die Beziehung ist im ständigen Wechsel. Erst bleibt Sophia mit dem Kind daheim, ist frustriert, erschöpft und macht Jan vorwürfe. Dann ist Jan daheim, muss seine Karriere hinten an stellen und auf Sophia lastet der Druck und die Scham, nicht beiden –Karriere und Familie– gerecht werden zu können. Durch den Stress leben beide eher nebeneinander als wirklich miteinander. 

Interessant fand ich auch die Einblicke in die Arbeit als Journalist und den Aspekt, wie verführerisch es sein kann, die Geschichte zu schreiben, die man im Kopf hat, die viele Klicks bringt, statt die, die man wirklich erlebt hat. In Jans Abschnitten musste ich an Relotius denken. Damals konnte ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Wie man so was machen kann. Als Journalist so sehr seine Werte und das, wofür man steht, verraten. Den "Lügenpresse" Rufenden Futter geben. Aber Rudkoffsky hat mir Jan und seine Motive so nahe gebracht, hat ihn und sein Handeln für mich nachvollziehbar werden lassen.

Daneben werden in diesem relativ dünnen Buch noch so viel mehr Themen behandelt. Es geht um die Anonymität und den Hass im Netz, darum, wie es ist, in eine andere Rolle schlüpfen zu können. Es geht um Lügen und um Verantwortung. Um Karriere und Familie. Um Liebe. Um #regrettingmotherhood.

Am Ende fand ich es nur schade, dass das Buch so schnell ausgelesen war. Ich hätte noch ewig die Geschichte von Jan und Sophia verfolgen können. Nicht, weil es so eine wohlfühl Geschichte ist, sondern weil es sich so echt und nah anfühlt. So authentisch, als wäre ich mitten in ihrem Wohnzimmer dabei und könnte gebannt beobachten, wie sich die beiden immer weiter in ihre Lügen verstricken, während ich mit einer Packung Popcorn gespannt das Geschehen verfolge. Der Autor hat mir die Figuren so nah gebracht.


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Fazit:

Fake von Frank Rudkoffsky ist ein großartiger Roman. Es greift aktuelle Themen auf, hat interessante und authentische Charaktere und ist unglaublich gut geschrieben. Ich habe jede Seite dieses Buches genossen. Es hat mich gepackt und gefesselt und schaudern lassen. Auf jeden Fall eines meiner Jahreshighlights!


Biblio
Titel: Fake
Autor: Frank Rudkoffsky
Verlag: Voland & Quist
Seiten: 240

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch die Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.







Plauderecke:

Habt ihr das Buch schon gelesen? Falls ja, wie hat es euch gefallen? Falls nein hoffe ich, dass ich euch neugierig machen konnte. :)
Habt ihr schon ein Jahreshighlight für 2019? Und was braucht ein Buch, damit es euch so richtig begeistern kann? 

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2 Kommentare

  1. So, das hab ich jetzt davon! Wieso schreibst du auch so eine geniale Rezension? Ich will es lesen, jetzt sofort und diesen zwei Menschen bzw dem Autoren lauschen. Es hört sich richtig gut an. Gesehen hab ich das Buch in letzter Zeit auch sehr oft und ich mag auch das Cover. Also Wunschliste auffüllen, auf das der SuB wächst!
    Bis bald meine liebe, Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,
      Haha, das tut mir jetzt aber leid... nicht! ;D Ich kann nur sagen: ja, ja, ja, lies dieses Buch unbedingt. Und lass es dann nicht zu lange auf dem SuB liegen. Die Geschichte ist toll, die Charaktere super. Eines meiner Highlights in diesem Lesejahr.
      Freut mich wirklich sehr, dass ich dich neugierig auf dieses Büchlein machen konnte. :)
      Liebe Grüße, Julia

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